Der erneute Lockdown lässt das Vereinsleben wieder stillstehen
Landkreis – Die Corona-Verordnung macht gemeinsames Fußballspielen, das Schießen, Gruppentänze, Schwimmen oder Kneipp-Veranstaltungen unmöglich. Einigen kleinen Vereinen brechen deswegen nun die Einnahmen weg, andere wiederum spüren kaum etwas von den Auswirkungen der Krise. Die Kreiszeitung hat nachgefragt, wie es um die Situation der Vereine im Landkreis Diepholz steht. „Insgesamt läuft es bei uns sehr stabil“, sagt Uwe Drecktrah, Geschäftsführer des Kreissportbunds Diepholz. Zwar würden er und sein Team mit den Mitgliedsvereinen darüber sprechen, aber es gäbe aktuell kaum sorgenvolle Anrufe. Keiner der Mitgliedsvereine sei direkt von einer Insolvenz bedroht. Falls aber doch mal Not am Mann sei, helfe der Landessportbund (LSB) Niedersachsen, der eng mit dem Innenministerium zusammenarbeitet. „Vereine die Unterstützung benötigen, können sich bei der Hotline des LSB melden“, erläutert Drecktrah. Neben dem LSB seien die Vereine auch im ständigen Austausch mit den jeweiligen Fachverbänden. „Unser Team bietet für die Mitglieder ebenfalls Beratungen an. Wer aber nirgendwo Mitglied ist, muss sich in der derzeitigen Situation selbst helfen“, meint Drecktrah. Jede Sportart habe aktuell unterschiedliche Probleme. So vermutet der Geschäftsführer, dass beispielsweise Turnen von der Krise betroffen ist. „Da alle Kurse ausfallen, könnte ich mir vorstellen, dass es Austritte gibt“, sagt er. Doch diesbezüglich differenziert Drecktrah auch zwischen dörflichen und städtischen Vereinen. „In den Dörfern sind viele Menschen schon jahrelang im Verein und die nehmen die derzeitige Situation eher hin als Städter. Dort ist es meist so, dass neue Sportarten einige Monate ausgetestet werden. Da durch die Pandemie alles ausfällt, kommt vielleicht schneller der Gedanke auf ,Ach, das wollte ich eh nicht mehr machen‘“, erklärt er. Nach Angaben von Drecktrah, der auch Vorsitzender des Schützenvereins Bassum ist, würde sich bei den Schützen derzeit nichts bewegen. „Schützenvereine leben nicht vom täglichen Sportangebot, deswegen trifft sie die Krise nicht so sehr.“ Sein Verein konnte die Zeit für eine Spendensammlung und einen Umbau nutzen. Um Spenden bemüht sich auch Dietmar Benter – doch bisher vergebens. „Wo ist die Solidarität untereinander?“, fragt sich der Vorsitzende des Kneipp-Vereins Syke. Er bangt momentan um die Zukunft der gemeinnützigen Organisation, für die Einnahmen aus Kursgebühren neben den Mitgliedsbeiträgen elementar wichtig seien. „Das sind rund 2 500 Euro, die uns monatlich fehlen“, verrät er. Die Ausgaben – unter anderem die Miete für Räume – würden jedoch weiterlaufen. Eine Möglichkeit sei es, die Mietausgaben zu reduzieren oder die Räume aufzukündigen, doch das führe seiner Meinung nach nur zu einer Problemverlagerung auf die Vermieter. „Wir merken jeden Monat mehr, wie das Geld weniger wird.“ Hoffnung setzt Benter in die staatlich angekündigte Novemberhilfe, die 75 Prozent der Einnahmen aus dem Vorjahresmonat verspricht. „Wir wissen aktuell noch nicht, ob die auch gemeinnützige Vereine erhalten werden“, sagt er. Allerdings könnten damit immerhin zwei Monatsmieten bezahlt werden. Bereits während des Lockdowns im Frühjahr schrumpften die Einnahmen erheblich. Entschädigung habe es für den Ausfall jedoch nicht gegeben, da sich der Verein nicht am Rande der Insolvenz bewegen würde, so Benter. Der Vorsitzende wünscht sich Unterstützung, ihm würden Ansprechpartner fehlen, die sagen könnten, welche Hilfe sein Verein in Anspruch nehmen kann. „Wir sind auch ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft und tragen mit unserem Gesundheitsangebot zum Gemeinwohl bei“, meint er. Besonders in der Zeit nach Corona seien die Menschen auf die Kneippvereine angewiesen. Nach seinen Recherchen biete die Stadt Cuxhaven Vereinen in der Krise Hilfe durch ein Förderprogramm an, im Landkreis Diepholz gebe es so etwas aktuell jedoch nicht. Auch von den Hilfen des Landes seien Vereine dieser Art ausgeschlossen, heißt es auf der Internetseite des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Doch Benter gibt nicht auf und kontaktierte das Ministerium selbst. Dieses habe ihn auf den Niedersachsen-Schnellkredit für gemeinnützige Organisationen aufmerksam gemacht. Darlehen von 10 000 bis 800 000 Euro könnten auf diese Weise beantragt werden. Jedoch sieht Benter eine solche Kreditaufnahme als „allerletzte Möglichkeit“. „Ich hoffe auf Spenden beziehungsweise Fördermitgliedschaften. Leider zeigen sich diejenigen, die im Frühjahr um Unterstützung und Solidarität baten, momentan sehr zurückhaltend. Irgendwie kommen wir da durch und starten ab Frühjahr wieder durch“, sagt er. Bisher ganz ohne finanzielle Unterstützung muss sich zudem der Förderverein Barrier Bad durch die Krise kämpfen. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren ein Polster erwirtschaftet, doch geht es 2021 so weiter wie aktuell, müssen wir Konkurs anmelden“, sagt der Vorsitzende Peer Schmidt. Die Einnahmen des Vereins würden sich nach seinen Angaben aus den Zuschüssen der Stadt Syke, den Nutzungsbeiträgen, Veranstaltungen und Mitgliedsbeiträgen zusammensetzen. Doch das Bad ist dicht und somit fallen aktuell wichtige Gelder weg. Aber warum werden Vereine eigentlich nicht gefördert? „Nicht jeder der Hilfe braucht, bekommt auch welche“, sagt Landrat Cord Bockhop. Es gebe bereits die Kulturförderung und die Novemberhilfen vom Land, jedoch „müssen überall Abstriche gemacht und Kompromisse eingegangen werden“, meint Bockhop. Nach seinen Angaben beziehe sich die Novemberhilfe auf die Gastronomie, Vereine sind dabei nicht mit einbezogen. „Deutschland hat eine Vielzahl von Vereinen, auch hier im Landkreis gibt es etliche Angebote. Aber man kann nicht nur einen fördern, dann kommen alle“, erklärt er und beruft sich dabei auf den Gleichheitsgrundsatz. „Wir halten uns trotz Krise an die Vereinbarungen mit den Vereinen, das wurde zu keinem Zeitpunkt diskutiert“, führt er weiter aus. Aber alles zu bezuschussen, ginge eben einfach nicht.